Was sind Biostimulanzien? Typen, Wirkung und Anwendung

Hand setzt Setzlinge in Anzuchtschalen – eine frühe Wachstumsphase, in der häufig Biostimulanzien eingesetzt werden

Biostimulanzien gehören zu den am schnellsten wachsenden Produktgruppen in der Pflanzenernährung – und zu den verwirrendsten. Dieser Leitfaden erklärt, was ein Biostimulanz ist (und was nicht), die wichtigsten Typen, wie sie sich von Düngern unterscheiden und wie Sie sie so in ein Düngeprogramm einbauen, dass Sie sehen, was sie tatsächlich bewirken.

Was ist ein Biostimulanz?

In der EU werden Pflanzen-Biostimulanzien über ihre Wirkung definiert, nicht über ihre Zusammensetzung. Die EU-Düngeprodukteverordnung (EU) 2019/1009 beschreibt sie als Produkte, die die Ernährungsprozesse der Pflanze unabhängig von ihrem eigenen Nährstoffgehalt anregen – mit dem Ziel, eine oder mehrere dieser Eigenschaften zu verbessern:

  • die Effizienz der Nährstoffnutzung;
  • die Toleranz gegenüber abiotischem Stress wie Hitze, Trockenheit oder Salzgehalt;
  • Qualitätsmerkmale der Kultur;
  • die Verfügbarkeit von Nährstoffen, die im Boden oder Wurzelraum gebunden sind.

Biostimulanz oder Dünger?

Ein Dünger liefert Nährstoffe. Ein Biostimulanz wirkt auf die Prozesse rund um diese Nährstoffe – Wurzelwachstum, Aufnahme, Stoffwechsel und das Leben im Wurzelraum. Deshalb ersetzt ein Biostimulanz nie die Grunddüngung: Ohne genügend Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelemente gibt es nichts, was es verbessern könnte.

Die wichtigsten Typen von Biostimulanzien

Biostimulanzien werden meist in zwei Gruppen eingeteilt: mikrobielle Produkte, die lebende Organismen enthalten, und nicht-mikrobielle Produkte, die Substanzen enthalten.

  • Humin- und Fulvosäuren – organische Substanzen für den Wurzelraum, in mineralischen wie in organischen Programmen.
  • Algenextrakte – Extrakte aus Braunalgen, über den Wurzelraum oder als Blattspray angewendet.
  • Aminosäuren und Proteinhydrolysate – häufig rund ums Umtopfen, bei Phasenwechseln und in anderen Stressmomenten eingesetzt.
  • Enzyme – eingesetzt in Substraten und rezirkulierenden Systemen, zum Beispiel bei wiederverwendetem Substrat.
  • Mykorrhizapilze und nützliche Bakterien – mikrobielle Produkte, die den Wurzelraum besiedeln, vor allem in Erde und Living-Soil-Systemen.

So bauen Sie Biostimulanzien in ein Düngeprogramm ein

  1. Zuerst die Basis richtig machen. Eine stabile Grunddüngung, EC und pH kommen vor jedem Zusatz.
  2. Nach Ziel auswählen. Entscheiden Sie, was Sie verbessern wollen – Bewurzelung, eine Stressphase, den Wurzelraum – und wählen Sie den passenden Produkttyp.
  3. Ein Produkt nach dem anderen einführen, in fester Dosierung und in einer festen Phase.
  4. Dokumentieren und vergleichen mit früheren Zyklen, damit Sie wissen, was das Produkt beiträgt, bevor Sie das nächste hinzunehmen.

Häufige Fehler

  • Mehrere neue Produkte in einem Zyklus stapeln – dann lässt sich nicht sagen, welches den Unterschied gemacht hat.
  • Mikrobielle Produkte zusammen mit oxidierenden Reinigern oder Sterilisationsmitteln im selben Tank verwenden.
  • Von einem Biostimulanz erwarten, dass es einen Mangel behebt, der eigentlich ein Problem der Grunddüngung oder des pH-Werts ist.
  • Produkte kaufen, ohne klare Angabe, was enthalten ist und in welcher Konzentration.

Häufige Fragen

Sind Biostimulanzien immer biologisch?

Nein. Viele sind natürlichen Ursprungs, aber „Biostimulanz“ beschreibt eine Funktion, keine Bio-Zertifizierung. Prüfen Sie die Produktdokumentation, wenn Sie Betriebsmittel für ein Bio-Programm brauchen.

Kann ich Biostimulanzien in Hydro und Kokos verwenden?

Ja. Nicht-mikrobielle Produkte wie Aminosäuren, Algenextrakte und Humin-/Fulvosäuren werden in Hydro und Kokos häufig eingesetzt. Mikrobielle Produkte werden vor allem in Erde und Living-Soil-Systemen verwendet.

Ist Silizium ein Biostimulanz?

Silizium ist ein nützliches Element und wird oft im Zusammenhang mit Biostimulanzien genannt. Mehr dazu in Silizium für Pflanzen: wie Orthokieselsäure wirkt.

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